Geld leihen bei Familie und Freunden: Ist ein Privatkredit sinnvoll?

27. April 2022

Liquidität

Inhaltsübersicht

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      Eine gute Geschäftsidee ist die eine Sache – die Finanzierung eine andere. Damit aus der Vision Wirklichkeit werden kann, brauchen Unternehmer häufig finanzielle Unterstützung. Möglichkeiten gibt es ganz unterschiedliche. Eine davon ist der Privatkredit. Was dahintersteckt und welche Vor- und Nachteile er mit sich bringen kann, erfahren Sie hier.

       

      Junge Unternehmen scheitern häufig bereits während ihrer Startphase. Gerade in dieser Anlauf- und Wachstumsphase sind sie auf ausreichend Liquidität angewiesen, um ihre Idee voranzutreiben und sich einen heißbegehrten Platz auf dem freien Wirtschaftsmarkt zu ergattern. Fehlt bereits hier das Geld, kommt ein Jungunternehmen kaum vom Fleck. Um das zu verhindern, gibt es zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten.

       

      Das Problem dabei: Jungunternehmen haben es oft nicht leicht, eine Finanzierung zu erhalten. Wie Studien zeigen, können nur fünf von zehn Startups Fremdkapital akquirieren. Grund dafür ist, dass potenzielle Investoren häufig von der Geschäftsidee oder dem Produkt nicht überzeugt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass neue Unternehmen keine betriebswirtschaftliche Vergangenheit haben und somit keine Erfahrungswerte anzubieten haben. Sie können weder Geschäftszahlen noch Sicherheiten vorlegen und müssen in der Regel allein mit ihrem Businessplan überzeugen.

      Was ist ein Privatkredit?

      Der Privatkredit verspricht den schnellen Weg zur Unternehmensfinanzierung. Und tatsächlich ist viel Wahres dran. Denn beim Privatkredit müssen sich Unternehmer keinen Banken oder Investoren öffnen, sie müssen keine Businesspläne vorlegen oder Schufa-Auskünfte parat haben. Denn: Privatkredite gewähren – wie der Name schon sagt – Privatpersonen anderen Privatpersonen; das sind in der Regel Familienmitglieder oder Freunde. Wer also das Glück hat und Unterstützer im eigenen Umfeld findet, kann über einen Privatkredit nachdenken. Doch auch dieser Schritt sollte gut durchdacht werden – am besten sollte beispielsweise auch hier eine festgelegte Vereinbarung schriftlich aufgesetzt werden, um Streitigkeiten mit Freunden und Familie von vornherein auszuschließen. Was es noch zu beachten gibt, lesen Sie hier.

      Privatkredit: Vor- und Nachteile im Überblick

      Unternehmer sollten sich nicht zu voreilig von der Möglichkeit eines Privatkredits blenden lassen. Damit Sie besonnen entscheiden können, ob diese Finanzierungsform für Sie in Frage kommt, finden Sie hier die wichtigsten Vor- und Nachteile:

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      Gut zu wissen:

       

      Auch Banken bieten so genannte Privatkredite an. Allerdings handelt es sich dabei eher um kleine Kreditsummen – beispielsweise, um ein Auto reparieren zu lassen oder einen Urlaub zu finanzieren. Für unternehmerische Zwecke sind solche Privatkredite in der Regel nicht relevant.

      Vorteile eines Privatkredits:

       

       

      Üblicherweise verlangen Freunde und Familie keine Zinsen auf das verliehene Geld. Jungunternehmer könnten Sorgen um eine Mehrbelastung durch Kreditaufnahme also getrost vergessen. Aber Vorsicht: Das Finanzamt wird einen solchen Kredit gegebenenfalls als Geschenk betrachten und entsprechend Schenkungssteuer verlangen. Vor Abschluss eines Vertrages ist es deshalb sinnvoll, sich bei einem Steuerberater zu informieren.

       

      Bei einem klassischen Bankkredit kann viel Zeit ins Land gehen, bis endlich Geld fließt. Das liegt daran, dass Banken standardmäßig die Bonität der Unternehmer prüfen – und das kann dauern. Familie oder Freunde verlangen eine solche Bonitätsprüfung in der Regel nicht.

       

      Familie und Freunde bestehen häufig nicht auf einen bestimmten Rückzahlungszeitraum. In der Regel haben junge Unternehmer hier einen großen Spielraum. Das bedeutet auch weniger Erfolgsdruck und ein entspannteres Arbeiten an der Geschäftsidee.

       

      Wie hoch die geliehene Geldsumme ist, liegt ganz bei ihren Kreditgebern aus dem Familien- oder Freundeskreis. Sie dürfen Geld verleihen, so viel sie möchten. Beide Parteien müssen sich vor niemandem rechtfertigen. Gerade bei hohen Summen ist es jedoch wichtig, einige Regeln zu beachten.

       

       

       

      Nachteile eines Privatkredits:

       

       

      Wer Privates und Berufliches vermischt, bewegt sich häufig auf dünnem Eis. Bei einem unternehmerischen Misserfolg kann es zu Verwerfungen zwischen Ihnen und Ihren Lieben kommen, wenn Sie sich Geld von Ihnen geliehen haben. Um das zu verhindern, sollten Sie Ihre Vereinbarung schriftlich festhalten. Was es dabei zu beachten gilt, lesen Sie hier.

       

      Was auf den ersten Blick – wie weiter oben genannt – ein Vorteil sein kann, birgt jedoch auch Gefahren: Unternehmer, die dank eines Privatkredits wenig Erfolgsdruck spüren, könnten ihre Sache mit etwas weniger Elan verfolgen als Geschäftsleute, die an Banken oder Investoren gebunden sind. Deshalb ist es wichtig, auch privat geliehenes Geld und die entsprechenden Geldgeber ernst zu nehmen und den Anspruch zu haben, das private Darlehen in angemessener Zeit zurückzuzahlen.

       

      Existiert kein Kreditvertrag zwischen beiden Parteien, können Freunde oder Familie jederzeit ihr Geld zurückverlangen – zum Beispiel im Falle eines Streits. Das kann ein junges Unternehmen direkt in die Insolvenz treiben.

       

      Wenn der Kreditgeber keine Zinsen verlangt, kann das Finanzamt von einer Schenkung ausgehen. In diesem Fall werden Steuern fällig – unter Umständen sowohl beim vermeintlich Beschenkten als auch beim Geldgeber.

      Vertrag für den Privatkredit – darauf sollten Sie achten

      Selbst wenn ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen Darlehensgeber und -nehmer besteht, sollten beide Parteien einen schriftlichen Vertrag abschließen. So lassen sich Missverständnisse ausschließen. Außerdem entsteht so kein Misstrauen bei den Finanzbehörden, die bei mündlichen Absprachen eventuell eine Schenkung wittern und entsprechend Schenkungssteuer verlangen. Hinzukommt, dass die Parteien sogenannte marktübliche Konditionen für den Kredit vereinbaren sollten. Denn: Werden Zinsen vereinbart, deren Höhe weit unter der marktüblichen liegt, denkt auch hier das Finanzamt schnell an eine Schenkung und ruft die Schenkungssteuer auf den Plan.

       

      Wer einen Vertrag abschließen möchte, sollte mindestens folgende Informationen dort unterbringen:

      Unterschriften der Parteien

      Gut zu wissen

       

      Ein Vertrag zwischen Privatpersonen ist nichtig, wenn er laut § 138 BGB unter Ausbeutung einer Zwangslage oder in einem auffälligen Missverhältnis zur erbrachten Leistung steht. Das könnte beispielsweise der Fall sein, wenn der Darlehensgeber einen sehr hohen Zinssatz fordert. Deshalb ist es immer ratsam, die marktüblichen Konditionen zu kennen und sich daran zu orientieren.