Operativer Cashflow: So berechnen Sie Ihre Finanzpower

20. April 2022

Liquidität

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      Kann ein Unternehmen aus eigener Kraft Investitionen tätigen? Oder fehlen die Mittel dazu? Das beantwortet der operative Cashflow. Was die Kennzahl noch verrät, wie man sie interpretiert und berechnet, erfahren Sie hier.

      Was ist der operative Cashflow?

      Der operative Cashflow – auch Operating Cash Flow (OCF) genannt – ist eine Komponente des gesamten Cashflows. Er lässt sich einzeln berechnen und sagt viel über den Erfolg aus, den ein Unternehmen mit seinem Kerngeschäft hat. Die Kennzahl zeigt nämlich die liquiden Mittel an, die ein Unternehmen in einem festgelegten Zeitraum durch die eigene geschäftliche Tätigkeit erwirtschaftet hat. Der operative Cashflow berücksichtigt deshalb nur Einnahmen und Ausgaben aus der normalen Geschäftstätigkeit bzw. dem operativen Geschäft – das können beispielsweise Produktionskosten sein oder die Einnahmen durch den Verkauf der produzierten Ware.

       

      Kann das Unternehmen durch die eigene geschäftliche Tätigkeit mehr Einzahlungen als Auszahlungen verzeichnen, ist der operative Cashflow positiv. In diesem idealen Fall kann das Unternehmen Investitionen tätigen, Schulden tilgen oder das Geld für Ausschüttungen verwenden – das Unternehmen hat also eine hohe sogenannte Innenfinanzierungskraft. Der operative Cashflow ist jedoch nicht nur für die Selbsteinschätzung des Unternehmens wichtig, sondern auch für private oder institutionelle Investoren. Die Kennzahl gibt ihnen Aufschluss über die Stabilität des Unternehmens.

       

      Ist der operative Cashflow negativ, ist die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens geschwächt oder sogar gar nicht vorhanden. Liquide Mittel fließen dann aus dem Unternehmen ab, was langfristig in die Insolvenz führen kann.

      Wie berechnet man den operativen Cashflow?

      Bei der Berechnung des operativen Cashflows werden nur Zahlungsströme aus dem operativen Geschäft berücksichtigt – also nur ein Teil aller Ein- und Auszahlungen.

       

      Dazu gehören unter anderem:

       

      Indirekte Methode

      Bei der indirekten Methode zur Berechnung des operativen Cashflows werden die Erträge, die nicht zahlungswirksam sind, vom Jahresüberschuss abgezogen und die nicht zahlungswirksamen Aufwendungen hinzugerechnet.

       

      Die Formel lautet also:

      Jahresüberschuss
      – nicht zahlungswirksame Erträge
      + nicht zahlungswirksame Aufwendungen
      = operativer Cashflow

       

       

      Beispiele für nicht zahlungswirksame Aufwendungen:

       

      Beispiele für nicht zahlungswirksame Erträge:

      Wichtig zu wissen:

       

      Bei der indirekten Methode zur Berechnung des operativen Cashflows muss man wissen, dass der Jahresüberschuss Positionen beinhaltet, die dem Cashflow nicht zurechenbar sind, da sie keine Geldbewegungen verursachen – dazu zählen beispielsweise Abschreibungen. Deshalb müssen diese Posten zum Jahresüberschuss addiert werden. Zuschreibungen hingegen müssen abgezogen werden.

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      Direkte Methode

      Bei der direkten Methode zur Berechnung des operativen Cashflows werden die betrieblichen Auszahlungen von den entsprechenden Einzahlungen abgezogen.

       

      Die Formel lautet:

      Zahlungswirksame Erträge
      zahlungswirksame Aufwendungen
      = operativer Cashflow

      Gut zu wissen

       

      Der operative Cashflow wird häufiger mit der indirekten als mit der direkten Methode berechnet. Grund dafür ist, dass bei der indirekten Methode die Bilanz des Unternehmens die Grundlage für die Berechnung ist. Dadurch ist diese Variante einfacher und schneller umzusetzen. Für die direkte Methode werden hingegen sehr viele Daten des Unternehmens benötigt.

      Was sagt der operative Cashflow aus? Tipps für die Interpretation

      Die Berechnung des operativen Cashflows gibt wichtige Hinweise auf die Finanzkraft des Unternehmens. Aber: Die Aussagekraft ist höher, wenn man ebenso die Ergebnisse aus der Investitions- und Finanzierungstätigkeit ermittelt; also den gesamten Cashflow berücksichtigt. Grund dafür ist, dass ein positiver operativer Cashflow nicht unbedingt auch eine tatsächlich gute Liquidität zur Folge hat. So können beispielsweise hohe Tilgungssummen oder Investitionen den Gesamt-Cashflow belasten – auch dann, wenn der operative Cashflow positiv ist.

       

      Ein weiterer Nachteil, wenn ein Unternehmen nicht den gesamten, sondern nur den operativen Cashflow im Blick hat: Die Kennzahl gibt nur Aufschluss über die Vergangenheit, weil sie auf bereits existierenden Zahlen beruht. Das Problem ist, dass sich in der Zwischenzeit bzw. Echtzeit die Situation des Unternehmens bereits geändert haben kann. Um das zu verhindern, nutzen viele Unternehmen Tools, um ihren Cashflow auch „live“ verfolgen zu können.

      Operativen Cashflow verbessern – aber wie?

      Wer seinen operativen Cashflow berechnet, stellt vielleicht fest, dass hier Verbesserungspotenzial besteht.

       

      Aber wie lässt sich die Kennzahl positiv verändern? Wir haben einige Tipps für Sie:

       

      Der operative Cashflow dankt es Ihnen, wenn Sie bedarfsgerecht einkaufen – auch, wenn das bedeutet, dem einen oder anderen Großeinkauf mit attraktivem Mengenrabatt zu widerstehen. Durch solche großen und häufig übertriebenen Materialeinkäufe steigen Lagerkosten. Außerdem wird zu viel Kapital gebunden. Das ist nicht förderlich für den operativen Cashflow.

       

      Optimale Prozesse ohne Verzögerungen oder Verschwendungen beeinflussen den operativen Cashflow positiv. Konkret bedeutet das, dass Maschinen bedarfsgerecht eingesetzt werden sollten, um Produktionsstopps zu vermeiden, und Materialien auch tatsächlich aufgebraucht werden, um Kosten im Einkauf zu senken.

       

      Die Produktion der eigenen Ware sollte sich stets am tatsächlichen Bedarf orientieren. Es hilft nichts, übermotiviert zu sein und eine Überproduktion zu verursachen. Damit erreicht man nur höhere Lagerungskosten und mehr gebundenes Kapital.