Liquide bleiben dank Mietkauf – ist das ratsam?

05. Juli 2022

Prozesse

Inhaltsübersicht

    Inhaltsübersicht

      Jedes Unternehmen hat Ausgaben. Neben Personalkosten und Produktionsvorgängen müssen je nach Branche Maschinen und andere Betriebsmittel finanziert werden. Doch nicht jedes Unternehmen kann sich das leisten – ein Ausweg kann der Mietkauf sein. Was das ist und ob er sich für Sie lohnt, lesen Sie hier.

      Was bedeutet Mietkauf?

      Mietkauf – der Begriff klingt auf den ersten Blick paradox. Mieten und Kaufen in einem Wort? Ja, so ist es. Denn der Mietkauf ist eine Art Kompromiss zwischen Eigentum und Mietsache.

       

      Nehmen wir an, Sie sind Bäcker und benötigen eine Blechreinigungsmaschine. Um Ihre Finanzen ist es aber gerade nicht so gut bestellt, sodass Sie die Maschine nicht sofort kaufen können.

      Entscheiden Sie sich für einen Mietkauf, schließen Sie einen Vertrag mit dem Verkäufer der Maschine ab und zahlen entsprechend der Vereinbarung regelmäßige Geldbeträge an ihn. Der Unterschied zum „echten“ Mieten: Sie als Mieter haben das Vorrecht, die Maschine später unter vollständiger oder teilweiser Anrechnung der bis dahin gezahlten Mieten zu kaufen.

      Gut zu wissen

       

      Der Mietkauf ist vor allem bekannt aus der Immobilienbranche. In letzter Zeit rückt diese Finanzierungsmethode jedoch auch immer mehr in den Fokus von Unternehmern. Vor allem für Startups und junge Unternehmen klingt ein Mietkauf verlockend. Doch Vorsicht: Er birgt auch etliche Nachteile. Welche? Das lesen Sie hier.

      Was ist ein „unechter“ Mietkauf?

      Wenn von einem unechten Mietkauf die Rede ist, stehen Ihre Kaufabsicht und der Kaufpreis von Anfang an fest. Der Mietkauf gilt also sofort als Kaufvertrag. Heißt: Bei einem unechten Mietkauf sind Sie üblicherweise von Anfang an wirtschaftlicher Eigentümer des Objekts – Sie können sich später nicht ohne Weiteres gegen den Erwerb entscheiden.

       

      Tipp: In der Regel ist ein Mietkauf mit Optionsrecht idealer, weil Sie das Recht behalten, vom tatsächlichen Kauf Abstand zu nehmen.

      Vor- und Nachteile eines Mietkaufs

      Statt einem Batzen Geld nur kleine Summen zahlen und am Ende das Vorkaufsrecht haben – ein Mietkauf klingt verführerisch. Ist er das aber wirklich? Wir haben ihn für Sie unter die Lupe genommen und die wichtigsten Vor- und Nachteile gesammelt:

       

      Vorteile:

       

      • Sie benötigen kaum oder gar kein Eigenkapital, um einen Mietkauf abzuschließen. So schaffen Sie sich zusätzliche Liquiditätsspielräume und bleiben zahlungsfähig.
      • Es können Steuerstundungseffekte dank Sonderabschreibungen und Investitionsabzugsbeträgen entstehen. Das heißt, die Steuern müssen erst zu einem späteren Zeitpunkt beglichen werden.
      • Auch wenn Sie erst einmal nur Raten zahlen: Das Objekt geht automatisch nach Ablauf der Mietzeit in Ihr Eigentum über. Die Laufzeit im Mietkauf kann bis zu 100 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer ausmachen.
      • Sie brauchen keine Bank für die Finanzierung. In der Regel reicht es, einen Vertrag bei einem Notar abzuschließen.

       

      Nachteile:

       

      • Ein Mietkauf ist häufig teurer als der klassische Kauf, da oft nicht die gesamten bereits gezahlten Raten auf den Kaufpreis angerechnet werden.
      • Am Ende der Mietzeit wird zudem meist noch ein Restbetrag fällig, für den eventuell dann doch noch ein Kredit aufgenommen werden muss.
      • Ein Mietkauf ist kein Geschenk: Sie müssen die monatlich fälligen Raten im Blick haben und auch zahlen können, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
      • Sie tragen ein gewisses Risiko: Wird Ihr Vertragspartner insolvent, kann die bereits gezahlte Miete weg sein, ohne dass ein Kauf zustande gekommen ist.
      • Sie dürfen keine staatlichen Fördermittel nutzen.
      • Sie müssen sich häufig anteilig an Instandsetzungs- oder Reparaturkosten beteiligen.

       

      So profitieren Sie vom Mietkauf – die besten Tipps

      Wer mit dem Gedanken an einen Mietkauf spielt, sollte vorab erst alle anderen Möglichkeiten der Finanzierung überprüfen. Bankangebote oder auch Kredite von Privatpersonen können bessere Alternativen sein. Wer wenig Eigenkapital hat, wird es aber zumindest bei den Banken schwer haben – in diesem Fall könnte der Mietkauf eine gute Möglichkeit sein. Versuchen Sie aber, die Variante des Optionskaufs zu wählen. In diesem Fall sind Sie nicht von vornherein verpflichtet, das Miet-Objekt auch tatsächlich zu kaufen.

       

      Ebenfalls wichtig ist es, unbedingt auf einen notariell beglaubigten Vertrag zu bestehen, sonst haben Sie nichts in den Händen – alle anderen Vereinbarungen sind unwirksam und Sie verlieren am Ende möglicherweise viel Geld. Klären Sie im Vertrag auch, was im Insolvenzfall des Verkäufers geschieht. Am allerbesten: Lassen Sie sich vom Notar vor Vertragsunterzeichnung ausführlich beraten.